Seminar Strafrecht interdisziplinär / Psychologie im Strafrecht

Ein interdisziplinäres Seminar für Psychologen, Juristen und Studierende mit dem Beifach Strafrechtspflege

Thema im Sommersemester 2022:

Sexualstrafrecht de lege ferenda - Brauchen wir ein besseres Sexualstrafrecht – und wie könnte das aussehen? 

Nur wenige Bereiche sind dem gesellschaftlichen Wandel so unterworfen, wie die Sicht auf Sexualität, die auch im 21. Jahrhundert trotz „sexueller Befreiung“ auf vielen Ebenen privat und öffentlich immer noch eine Art Tabu-Thema ist. Dies spiegelt sich auch in der Geschichte des Sexualstrafrechts wider (etwa bei der Entwicklung vom Moral- zum Rechtsgüterschutz), oft allerdings mit erheblicher Verzögerung (wie etwa bei der Frage der Strafbarkeit homosexueller Handlungen oder der Vergewaltigung in der Ehe).

Das Strafrecht soll in unserer Rechtsordnung zum einen ultima ratio, also letztes Mittel der gesellschaftlichen Konfliktbewältigung sein und hat zum anderen den grundsätzlichen Anspruch, dabei die gesellschaftliche Wirklichkeit abzubilden, etwa in Bezug auf geltende Moralvorstellungen, das Verfassungsrecht, aber vor allem auch den aktuellen Stand des empirischen Wissens.

Wir wollen in diesem Seminar wie gewohnt in interdisziplinären Arbeitsgruppen der Frage nachgehen, was wir heute – jenseits von Tabuisierung – wirklich wissen (etwa im Blick auf Devianz/Paraphilien, das „Dunkelfeld“ der gelebten Sexualität, den entwicklungspsychologischen Grundlagen sexueller Erlebens- und Verhaltensweisen, neuen Formen sexueller Delinquenz) und wie sich dieses Wissen ganz konkret in einem künftigen, ggf. besseren Sexualstrafrecht abbilden könnte.

Termine:

27.04.2022, 16.30-19.30 Uhr Vorbesprechung: Themen- und Gruppenbildung; Dekanatssaal FB 03, Jakob-Welder-Weg 9, Raum 03-150. Die Teilnahme an diesem Termin ist zwingende Voraussetzung für die weitere Teilnahme am Seminar.

8./9.7.2022, jeweils von 9 bis 17 Uhr: Präsentationen und Diskussionen

Teilnahmevoraussetzung

Bereitschaft zur interdisziplinären Zusammenarbeit; bei Studierenden der Psychologie: Grundkenntnisse der Sozial-/Rechtspsychologie, bei Studierenden der Rechtswissenschaft: Schwerpunktstudium Strafrechtspflege.

Teilnehmer(-innen): max. 40, aufgeteilt in

etwa 20 Studierende der Psychologie

etwa 10 Studierende der Rechtswissenschaft

etwa 10 Rechtsreferendarinnen oder -referendare des Landes Rheinland-Pfalz (Anmeldung beim Landesprüfungsamt für Juristen